Ratgeber
Das Wohnzimmer ist der Raum, in dem Sie die meiste wache Zeit zu Hause verbringen. Hier wird gelesen, ferngesehen, gegessen, gespielt und Besuch empfangen. Eine Wohnzimmertapete muss deshalb mehr leisten als schön aussehen. Sie soll zum Licht passen, die Möbel aufnehmen und die Nutzung des Raums aushalten.
Dieser Ratgeber führt Sie durch die Auswahl, ohne Ihnen einen Stil vorzuschreiben. Sie lernen, welche Wand sich für eine Tapete eignet, wie Tageslicht und Lampen die Wirkung verändern, wie Sie Möbel, Boden und Textilien einbeziehen und welches Material für Ihren Alltag passt.
Das Wichtigste in Kürze
- Sofawand oder Blickwand für die Musterwand wählen
- Fenster- und Türwände ruhig halten
- Wand zu drei Tageszeiten im Licht prüfen
- Eine Farbe aus Boden oder Sofa in der Tapete aufgreifen
- Material nach Nutzung des Raums wählen
Warum das Wohnzimmer besondere Ansprüche stellt
Anders als das Schlafzimmer wird das Wohnzimmer zu jeder Tageszeit genutzt. Die Tapete sieht deshalb morgens im Streiflicht, mittags in voller Sonne und abends unter Lampenlicht jeweils anders aus. Sie muss zu allen drei Situationen passen, sonst gefällt sie nur zu einer Uhrzeit.
Hinzu kommt, dass im Wohnzimmer meist mehr Möbel und Gegenstände stehen als in anderen Räumen. Sofa, Regal, Fernseher, Teppich, Vorhänge und Bilder haben alle eine Farbe und eine Form. Die Tapete soll diese Vielfalt ordnen, nicht noch eine Stimme hinzufügen, die gegen alle anderen anredet.
Schließlich ist das Wohnzimmer der Raum, den Gäste sehen. Viele wünschen sich hier eine Wand, die einen eigenen Charakter hat. Genau daraus entsteht die Aufgabe, zwischen Zurückhaltung und Ausdruck die richtige Mitte zu finden.
Welche Wand die Tapete bekommt
Nicht jede Wand im Wohnzimmer eignet sich gleichermaßen. Die Entscheidung hängt davon ab, wo der Blick beim Betreten landet, wo die Möbel stehen und wie viele Öffnungen die Wand hat. Meist bekommt eine einzelne Wand eine Muster- oder Strukturtapete, während die übrigen Wände in einem ruhigen Ton bleiben.
Stellen Sie sich in die Tür und schauen Sie, welche Fläche Sie zuerst sehen. Diese Blickwand ist die natürliche Kandidatin für eine Tapete mit Charakter. Liegt dort die Fernsehwand, darf das Muster ruhiger sein, damit es beim Fernsehen nicht ablenkt. Liegt dort ein Regal oder eine Kommode, kann die Tapete kräftiger werden, weil die Möbel sie teilweise verdecken.
Die Wand hinter dem Sofa
Die Sofawand ist der Klassiker, weil sie meist die längste geschlossene Fläche ist und der Blick vom Eingang aus auf sie fällt. Eine Tapete dort rahmt die Sitzgruppe und gibt dem Raum ein Zentrum. Achten Sie darauf, dass die Rückenlehne den unteren Teil des Musters verdeckt. Ein Motiv, dessen Spannung im oberen Drittel liegt, wirkt hier besser als ein Muster, das am Boden beginnt.
Wände mit Fenstern und Türen
Fensterwände sind für auffällige Tapeten ungünstig, weil das Gegenlicht das Muster verschluckt und viel Verschnitt entsteht. Wände mit mehreren Türen zerschneiden ein großes Motiv. Für diese Flächen eignen sich Unitapeten oder feine Strukturen, die ruhig bleiben und den Blick zur Akzentwand lenken.
Tageslicht und Kunstlicht als Entscheidungshilfe
Licht verändert Farbe stärker als jedes andere Element. Ein Raum nach Norden hat kühles, gleichmäßiges Licht, das warme Töne dämpft und kühle Töne noch kühler macht. Ein Raum nach Süden hat viel warmes Licht, das kräftige Farben zum Leuchten bringt, aber auch schneller ausbleichen lässt.
Helle und dunkle Wohnzimmer
In einem dunklen Wohnzimmer helfen helle, leicht warme Tapeten mit matter Oberfläche, weil sie Licht zurückwerfen, ohne zu blenden. In einem sehr hellen Raum vertragen Sie tiefere Farben und größere Muster, weil die Fläche nicht erdrückt. Beobachten Sie die Wand über einen Tag, bevor Sie sich entscheiden, und schauen Sie, wo Streiflicht Struktur betont oder Unebenheiten zeigt.
Abends unter Lampenlicht
Am Abend zählt die Beleuchtung. Warmweiße Lampen betonen Rot- und Gelbanteile, kaltweiße Lampen lassen Grau und Blau hervortreten. Wandleuchten und Streiflicht heben Prägungen und Strukturen hervor, was bei Stein- oder Holzoptik erwünscht ist, bei glatten Unitapeten aber jede Welle zeigt.
Möbel, Boden und Textilien mit einbeziehen
Die Tapete steht nie allein. Nehmen Sie die drei großen Flächen im Raum als Ausgangspunkt, nämlich Boden, Sofa und Fensterfront. Eine Tapete, die eine Farbe aus dem Teppich oder dem Sofabezug aufnimmt, wirkt sofort stimmig. Eine Tapete, die eine völlig neue Farbfamilie einführt, braucht Begleiter in Kissen, Bildern oder Vasen.
Holzmöbel vertragen Tapeten mit warmen Tönen und ruhigen Strukturen. Helle, moderne Möbel lassen Raum für kräftige Muster. Bei einem dunklen Boden hellt eine helle Tapete den Raum auf, bei einem hellen Boden darf die Wand dunkler werden, ohne dass der Raum schwer wirkt.
Denken Sie auch an das, was später an die Wand kommt. Ein großes Leinwandbild oder eine Bildergalerie braucht eine ruhige Tapete als Hintergrund, sonst konkurrieren Motiv und Muster. Umgekehrt kann eine ausdrucksstarke Tapete selbst das Bild sein, vor dem nur ein Regal oder eine schlichte Leuchte steht.
- Eine Farbe aus Teppich oder Sofa in der Tapete wiederfinden
- Große Möbel vor der Tapetenwand nicht zu hoch wählen
- Bilderrahmen und Regale mit dem Muster abstimmen
- Vorhänge in einem Ton der Tapete wählen
Nutzung und Material – vom Familienwohnzimmer bis zum Lesezimmer
Wie das Wohnzimmer genutzt wird, entscheidet über das Material. In einem Haushalt mit Kindern und Haustieren ist eine strapazierfähige, abwaschbare Oberfläche sinnvoll, zumindest in Griffhöhe hinter dem Sofa oder neben dem Esstisch. Vinyltapete ist hier eine gute Wahl, weil sie waschbeständig ist.
In einem ruhig genutzten Wohnzimmer, in dem gelesen und Musik gehört wird, dürfen es Papier- oder Vliestapeten mit weicher Oberfläche sein. Vliestapete ist besonders praktisch, wenn Sie gerne umgestalten, denn sie hat keine Weichzeit, wird in Wandklebetechnik verarbeitet und lässt sich später trocken abziehen. Viele Vlies- und Strukturtapeten sind zudem überstreichbar, wenn Ihnen die Farbe nach Jahren nicht mehr gefällt.
Bei offenen Grundrissen, in denen Wohnzimmer und Küche ineinander übergehen, lohnt ein Blick auf den Übergang. Die Wand, die an den Kochbereich grenzt, sollte abwaschbar sein, die Wand am Sofa darf weicher wirken. Beide Tapeten sollten sich in Farbe oder Struktur aufeinander beziehen, damit der Raum nicht in zwei Hälften zerfällt.
- Vinyl für Familienwohnzimmer und Essbereich
- Vlies für einfache Verarbeitung und späteren Wechsel
- Papier für ruhige, atmungsaktive Wohnräume
- Überstreichbare Struktur für spätere Farbwechsel
Ihre Auswahl in vier Schritten
Beginnen Sie mit der Wand. Legen Sie fest, welche Fläche die Tapete bekommt und welche ruhig bleiben. Betrachten Sie dann das Licht dieser Wand am Morgen, am Mittag und am Abend. Nehmen Sie im dritten Schritt die vorhandenen Farben von Boden, Sofa und Vorhängen und suchen Sie eine Tapete, die mindestens eine davon aufgreift. Wählen Sie zuletzt das Material nach der Nutzung des Raums.
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Häufige Fragen
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