Ratgeber
Der Tapezierer kostet Zeit und Geld, das eigene Tapezieren nur Zeit. Wer eine Wand selbst gestaltet, spart den Lohn der Handwerker und lernt dabei, wie Untergrund, Kleister und Bahn zusammenwirken. Mit dem richtigen Material und ein wenig Vorbereitung ist das auch für Einsteiger machbar.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, welches Werkzeug wirklich nötig ist, wie Sie die Wand vorbereiten, in welcher Reihenfolge Sie arbeiten und an welchen Stellen Anfänger typischerweise scheitern. Am Ende wissen Sie, ob Sie das Projekt selbst angehen sollten und wie Sie es ohne Nacharbeit zu Ende bringen.
Das Wichtigste in Kürze
- Mit Vliestapete und Wandklebetechnik beginnen
- Werkzeug vollständig bereitlegen, Klingen frisch
- Untergrund prüfen, spachteln und grundieren
- Kleister satt auftragen, passend zur Tapetenart
- Zugluft und Heizung beim Trocknen vermeiden
Warum sich Eigenleistung beim Tapezieren lohnt
Tapezieren ist eine der wenigen Arbeiten am Haus, bei der Sie mit wenig Werkzeug sichtbare Ergebnisse erzielen. Eine einzelne Wand im Wohnzimmer ist an einem Nachmittag geschafft, ein ganzes Zimmer an einem Wochenende. Der Aufwand hält sich in Grenzen, wenn Sie das passende Material wählen und den Untergrund nicht vernachlässigen.
Die Ersparnis liegt vor allem in der Arbeitszeit, die Sie nicht bezahlen müssen. Hinzu kommt, dass Sie selbst über Tempo und Reihenfolge entscheiden. Wer zuerst eine Wand hinter dem Sofa tapeziert, sammelt Erfahrung, bevor er sich an die Wand mit Fenster und Heizkörper wagt.
Vliestapete macht die Eigenleistung besonders einfach. Sie wird in Wandklebetechnik verarbeitet, hat keine Weichzeit und bleibt formstabil. Wenn eine Bahn schief sitzt, ziehen Sie sie ab und setzen sie neu an. Diese Fehlertoleranz ist der Grund, warum Einsteiger fast immer mit Vlies beginnen sollten.
Die Grundausstattung für Ihr Tapezierprojekt
Gutes Werkzeug muss nicht teuer sein, aber vollständig. Fehlt am Tapeziertag die Andrückrolle oder ein scharfes Messer, verzögert sich alles und der Kleister trocknet an. Legen Sie sich deshalb vorab alles bereit und prüfen Sie, ob die Klingen frisch sind.
Werkzeuge, die Sie wirklich brauchen
Sie benötigen einen Kleistereimer mit Rührstab, eine Kleisterrolle oder Bürste, eine Tapezierbürste oder einen weichen Andrückspachtel, eine Nahtrolle, ein Cuttermesser mit Abbrechklingen, eine Schere, ein Lot oder eine Wasserwaage, einen Zollstock, einen Bleistift und einen Tapeziertisch oder eine saubere Arbeitsfläche. Ein feuchter Schwamm für Kleisterreste und eine Leiter mit sicherem Stand runden die Ausstattung ab.
Worauf Sie verzichten können
Elektrische Kleistergeräte, Tapezierapparate und Spezialleitern sind für eine Wohnung nicht nötig. Auch ein teurer Tapeziertisch lässt sich durch eine Tischplatte mit Folie ersetzen, zumal Sie bei Vlies die Bahn gar nicht einkleistern müssen. Investieren Sie lieber in frische Klingen und einen guten Kleister für Ihre Tapetenart.
- Kleistereimer, Rolle und Bürste
- Cuttermesser mit frischen Klingen
- Lot oder Wasserwaage, Zollstock, Bleistift
- Nahtrolle und weicher Andrückspachtel
- Leiter mit sicherem Stand
Vorbereitung des Untergrunds als halbe Miete
Die meisten Tapezierfehler entstehen nicht an der Bahn, sondern darunter. Ein sandender, saugender oder ungleichmäßiger Untergrund lässt Nähte aufgehen und Bahnen abfallen. Nehmen Sie sich für die Vorbereitung mindestens so viel Zeit wie für das Tapezieren selbst.
Alte Beläge und lose Stellen
Alte Vliestapete lässt sich trocken restlos abziehen. Papiertapete weichen Sie mit Wasser und etwas Kleister ein und schaben sie ab. Lose Putzstellen und Löcher spachteln Sie glatt und schleifen sie nach dem Trocknen. Fettflecken in der Küche waschen Sie ab, weil Kleister darauf nicht hält.
Grundierung und Saugfähigkeit
Prüfen Sie die Saugfähigkeit mit einem nassen Schwamm. Zieht das Wasser sofort ein, braucht die Wand einen Tiefengrund oder einen verdünnten Kleisteranstrich. Perlt es ab, hilft eine Haftgrundierung. Bei dunklen oder fleckigen Wänden unter hellen Tapeten sorgt ein weißer Tapetengrund dafür, dass nichts durchscheint.
Der Ablauf am Tapeziertag
Beginnen Sie an der Wand mit dem wenigsten Zuschnitt und arbeiten Sie vom Fenster weg, damit die Nähte keinen Schatten werfen. Zeichnen Sie mit Lot oder Wasserwaage eine senkrechte Linie für die erste Bahn. Bei Vlies kleistern Sie die Wand etwas breiter als eine Bahn ein und setzen die trockene Bahn oben mit Überstand an.
Streichen Sie die Bahn von der Mitte nach außen aus, drücken Sie die Naht mit der Nahtrolle an und schneiden Sie den Überstand an Decke und Sockelleiste mit dem Spachtel als Führung ab. Wischen Sie Kleisterreste sofort mit dem feuchten Schwamm ab. Fenster und Türen tapezieren Sie mit Überstand und schneiden anschließend passend nach.
Steckdosen und Lichtschalter nehmen Sie bei abgeschalteter Sicherung ab und tapezieren darüber hinweg. Danach schneiden Sie die Öffnung kreuzweise ein und setzen die Abdeckung wieder auf. Hinter Heizkörpern reicht es, die Bahn so weit wie sichtbar herunterzuführen. Arbeiten Sie zu zweit, wenn die Bahnen lang sind, das erspart viele schiefe Ansätze.
- Senkrechte Linie für die erste Bahn anzeichnen
- Wand etwas breiter als eine Bahn einkleistern
- Bahn von der Mitte nach außen ausstreichen
- Überstand mit Spachtel als Führung schneiden
- Kleisterreste sofort abwischen
Typische Fehler beim Selbermachen und wie Sie sie vermeiden
Der häufigste Fehler ist zu wenig Kleister an der Wand. Die Bahn hält dann zunächst, löst sich aber beim Trocknen an den Kanten. Tragen Sie den Kleister satt und gleichmäßig auf und arbeiten Sie zügig, damit er nicht anzieht. Der zweite Klassiker ist der falsche Kleister. Vlies, Papier und Vinyl haben unterschiedliche Anforderungen, die Angabe auf der Kleisterpackung ist verbindlich.
Ebenfalls verbreitet sind überdehnte Papierbahnen, die nach dem Trocknen schrumpfen und Fugen hinterlassen. Halten Sie die Weichzeit für alle Bahnen gleich lang ein. Beim Muster zeigt sich Ungeduld an schief angesetzten Rapporten, deshalb lieber eine Bahn erneut anlegen als mit einer Wand mit versetztem Motiv leben. Und wer Zugluft und Heizung beim Trocknen nicht abstellt, bekommt offene Nähte.
Ein letzter Fehler betrifft den Einkauf. Wer den Rollenbedarf zu knapp berechnet, muss nachbestellen und bekommt womöglich eine andere Charge. Vergleichen Sie die Anfertigungsnummer auf allen Rollen und planen Sie eine Reserverolle ein.
Entscheidungshilfe – selbst machen oder Fachbetrieb beauftragen
Wenn Sie eine ebene Wand, eine Vliestapete ohne komplizierten Rapport und ein freies Wochenende haben, spricht alles für die Eigenleistung. Anspruchsvoller wird es bei hohen Treppenhäusern, stark beschädigtem Putz oder großformatigen Motiven mit exaktem Ansatz. Dort kann sich fachliche Hilfe lohnen, zumindest für die Vorbereitung.
Ein guter Mittelweg ist, klein anzufangen. Tapezieren Sie zuerst eine Nische oder die Rückwand eines Regals und prüfen Sie, wie Ihnen die Arbeit von der Hand geht. Gefällt Ihnen das Ergebnis, folgt die Sofawand, danach der ganze Raum. So wächst die Sicherheit mit jeder Bahn, und die Ersparnis bleibt vollständig bei Ihnen.
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Häufige Fragen
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